Am Samstag, 18. Juli, fand in der St. Anna Kirche ein Konzert anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Akkordeon-Verein Maichingen statt. Das Konzert war gleichzeitig auch das Abschiedskonzert von Dirigentin Sieglinde Strobel, die nach 30 Jahren – sie steht seit Gründung des Vereins am Dirigierpult – ihren Taktstock in Maichingen niederlegt. Und auch das Akkordeon-Orchester hatte beim Konzert seinen letzten Auftritt.
Nach dem Einzug der gut 60 MusikerInnen und SängerInnen in die vollbesetzte St. Anna Kirche eröffnete das AVM-Orchester das Konzert mit „Welcome to Venice“, einem Konzertstück im Stile von Rondo Veneziano.
Die Moderatorin des Abends Marianne Breidt gab anlässlich des 30-jährigen Jubiläums einen Überblick über die vergangenen 30 Jahre von der Vereinsgründung über die Ziele des Vereins bis zu den Sternstunden, die sich in zahlreichen Preisen sowohl der Akkordeon-Schüler als auch der Orchester bei nationalen und internationalen Wettbewerben zeigten. Highlights waren jedoch die musikalischen Projekte und Begegnungen mit den verschiedensten Instrumentalsolisten, darunter oftmals Profis, Ensembles, Sinfonieorchester, Bigband und Blasorchester bis zu Chören.
So gab es mit einer Formation aus Akkordeonorchester, Blasorchester, Sinfonieorchester und Chören verteilt über mehrere Jahre 3 Konzerte auf Schloss Greinburg, 3 Konzerte in Maichingen, je eines in Tamm und in Bamberg. Und eine dieser von Dirigentin Sieglinde Strobel ins Leben gerufenen Formation gewann sogar den Landesmusikpreis und den Publikumspreis beim Landesmusikfestival. Sogar eine Einladung der Landesregierung zur Umrahmung des Neujahrsempfangs ins Neue Schloss in Stuttgart erhielt der AVM für seine tolle kulturelle Leistung.
Das Programm fand seine Fortsetzung durch den Reitermarsch von Johann Strauss, gespielt vom MV „Harmonie“ Boll, ebenfalls unter der Leitung von Sieglinde Strobel. Ein typischer Konzertmarsch der Wiener Schule, bravourös gespielt vom Musikverein.
Der Anton-Bruckner-Kirchenchor war ein weiterer Gast des Abends. Seine Leiterin Birgit Buck war ehemals Schülerin von Sieglinde Strobel und war nach ihrem Musikstudium nach Oberösterreich gezogen. Die Verbindung zu Sieglinde Strobel hielt trotzdem und viele gemeinsame Projekte waren die Folge. Mit toller Stimmbildung ausgestattet bot der Chor in seinen solo oder mit Akkordeon-Begleitung dargebotenen Liedern, u.a. dem „Locus iste“ vom Namensgeber des Chores und dem „Heast es net“ vom auch bei uns bekannten Hubert von Goisern wundervolle Kontraste zu den Instrumentalwerken des Abends.
Das erste Tutti-Stück des Abends war „The Lost Chord“, nun wieder unter der Leitung von Sieglinde Strobel. Zuerst zart und differenziert mit Chor und Solo-Trompete, dann im Tutti-Forte klanggewaltig sorgte die Ballade für Gänsehautfeeling. Hier gab es nicht zum letzten Mal an diesem Abend feuchte Augen.
Ein weiteres Johann-Strauss-Werk „Unter Donner und Blitz“ wurde vom AVM-Orchester mit professioneller Perkussionisten-Unterstützung dargeboten. Auch einige ehemalige SpielerInnen hatten teils weite Wege auf sich genommen, um nochmals im Orchester am Abschiedskonzert teilzunehmen. Dass die Preise des Orchesters wohlverdient waren, hörte man eindrücklich: exakt, musikalisch ausgetüftelt, mitreißend spielte das Orchester das Klang-Gewitter. Auch die wohlbekannte „West Side Story” – ein Medley der bekanntesten Melodien daraus – war eine packende und hoch differenzierte Darbietung.
Dass auch Musikvereine zurückhaltend spielen können, zeigte der MV „Harmonie“ Boll in der Ballade „By your side“, wogegen es in „Viva Brasil“ zusammen mit dem AVM Orchester energisch und rhythmisch zur Sache ging. Das Publikum wurde regelrecht mitgerissen.
Als letztes Stück des offiziellen Programms erklang nochmals ein Tutti mit allen Beteiligten. Das berührende und emotionale Klagelied „Dry your Tears, Afrika“ aus dem Film Amistad kam einfühlsam, mitreißend, ja geradezu überwältigend rüber. Mit langanhaltenden Standing Ovations feierte das Publikum die Darbietung und die Leistung der Beteiligten. Es war offensichtlich ein Lob für die gesamte Geschichte des AVM und seiner Dirigentin.
Mit vielen Dankesworten verabschiedeten der AVM (Katharina Rusnov) und das Orchester (Uwe Stefani) die langjährige Dirigentin Sieglinde Strobel, erinnerten an wunderbare Erlebnisse und dankten ihr für ihren unerschöpflichen Elan und ihre Geduld. Mehrere Geschenke wurden an Sieglinde Strobel übergeben, darunter ein goldener Dirigierstab. Nach einer ersten Zugabe ergriff auch Sieglinde Strobel das Mikrofon und zeigte sich dankbar für die wunderbare und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Vereinsführung und den Orchestern über die gesamten 30 Jahre und hob ganz besonders Sandra Bergmann für deren Unterstützung und unermüdlichen Einsatz hervor. Sie sprach von einem erfüllten und künstlerisch und gestalterisch beglückten Weg. Ihr Dank ging ebenfalls an die SängerInnen aus Österreich mit ihrer Dirigentin Birgit Buck, sowie an den Musikverein „Harmonie“ Boll und explizit auch an das Publikum für dessen langjährige Treue bei den AVM-Konzerten. Nach insgesamt 3 Zugaben feierten der AVM und Sieglinde Strobel den Abschluss des unvergesslichen Abends mit zahlreichen Besuchern und Weggefährten im Blauen Haus.
